16.12.2021

Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen wurde bereits im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert

Landesanstalt für Medien NRW veröffentlicht repräsentative Zahlen zur Erfahrung von Kindern zwischen 8 und 18 Jahren mit sexualisierter Ansprache im Netz

Dass Kinder und Jugendliche im Netz von Erwachsenen mit sexuellen Absichten kontaktiert werden, ist keine Seltenheit. Das zeigt eine repräsentative Befragung von Kindern und Jugendlichen, die die Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegeben hat. Besonders das Phänomen des Cybergrooming, welches die Kontaktaufnahme Erwachsener mit sexuellen Absichten mit Kindern und Jugendlichen beschreibt, stand dabei im Zentrum der Befragung. Insgesamt wurden über 2.000 in Deutschland lebende Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren befragt, durchgeführt wurde die Erhebung von KB&B Family Marketing Experts.

Die Zahlen sind erschreckend. Fast ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen (24 %) wurde bereits im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert (8-9 J.: 9 %, 10-12 J.: 14 %, 13-15 J.: 25 %, 16-18 J.: 37 %). Jedes sechste Kind bzw. jeder sechste Jugendliche (16 %) gibt an, dass ihm bereits von einem erwachsenen Onlinekontakt eine Gegenleistung für ein Video oder Foto versprochen wurde. Jedes siebte Kind bzw. jede siebte Jugendliche (14 %) wurde aufgefordert, sich für einen Erwachsenen vor der Webcam auszuziehen oder die Kamera seines Smartphones anzuschalten. 15 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen geben außerdem an, ungefragt Nacktbilder zugesandt bekommen zu haben  – und das sind nur einige der Szenarien, die in der Befragung beschrieben und abgefragt wurden.

Über alle Schulformen hinweg beschreiben diese Erfahrungen relativ besonders häufig solche Kinder und Jugendliche, die auf eine Haupt- oder Berufsschule gehen. Die Befragung zeigt außerdem, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt. Beide Geschlechtergruppen erleben sexualisierte Ansprache von Erwachsenen im Netz gleichermaßen.

Auch die Kanäle, auf denen es zu einer sexualisierten Ansprache kam, wurden abgefragt. Vor allem bei Instagram haben die Befragten diese Erfahrungen bereits gemacht (31 %), direkt gefolgt von WhatsApp (26 %) und Snapchat (24 %). Bei den Online-Games geben jeweils 9 Prozent der Befragten an, bereits bei FIFA22 (9 %) und Minecraft (9 %) mit sexuellen Absichten angesprochen worden zu sein.

„Unser Leben findet viele Stunden am Tag im Netz statt. Zum Glück ist das heute möglich, sonst wäre in der Pandemie ziemlich Vieles zusammengebrochen. Doch die Ergebnisse unserer Befragung sind erschreckend und sie fordern uns - als Medienaufsicht, als Rechtsstaat, als Gesellschaft. Wir müssen Kinder und Jugendliche vor diesen Übergriffen schützen, ohne sie in ihren Freiheiten einzuschränken. Wir müssen aufklären, ohne Angst zu machen. Wir müssen die Täterinnen und Täter zur Verantwortung ziehen“, kommentiert Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die Zahlen.

Bereits im Juni dieses Jahres hatte die Medienanstalt NRW ein Video zur Aufklärung über das Phänomen Cybergrooming und begleitendes Material für die Thematisierung in der Schule veröffentlicht. Der Wunsch, mehr Unterstützung in der Schule zu bekommen, zeigt sich nun auch in der heute veröffentlichten Befragung. 60 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen wünschen sich, dieses Thema im Schulkontext stärker zu behandeln, 45 Prozent es mit den Eltern zu besprechen. Jeweils über ein Drittel der Befragten (35 %) äußern außerdem den Wunsch, den Verdacht von Cybergrooming bei der Polizei zu melden oder bei einer unabhängigen Meldestelle prüfen zu lassen.

Die Erhebung erfolgte über das Online-Panel FACT family. Das ist eine Datenbank mit über 30.000 aktiven Accounts von Kindern zwischen null und achtzehn Jahren und ihren Eltern – damit ist es das einzige Online-Panel in Deutschland zur repräsentativen Befragung von Kindern und deren Eltern.