Cybergrooming: Kinder und Jugendliche sind besser sensibilisiert - Risiken bleiben
Studie der Landesanstalt für Medien NRW: Positive Entwicklung in einem weiterhin erschreckenden Problemfeld
- Knapp ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen war schon einmal von Cybergrooming betroffen.
- 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen kennen den Begriff Cybergrooming.
- Mehr als jede dritte Online-Gamerin bzw. jeder dritte Online-Gamer wurde bereits unangenehm von Fremden kontaktiert.
- 70 Prozent reagierten auf problematische Kontakte mit Kontaktabbruch oder Blockieren.
Ob beim Zocken, Chatten oder Scrollen: Für Kinder und Jugendliche gehört der Kontakt mit Fremden im Netz längst zum Alltag. Die neue repräsentative Cybergrooming-Studie der Landesanstalt für Medien NRW zeigt, dass die Risiken bleiben. 19 Prozent der Befragten berichten von mindestens einer Form von Cybergrooming. Auch wenn dieser Wert unter dem Vorjahresniveau liegt (24 %), machen die Ergebnisse deutlich: Cybergrooming und andere grenzüberschreitende Erfahrungen bleiben für viele junge Menschen Realität. Gleichzeitig sind Kinder und Jugendliche heute stärker für die Risiken sensibilisiert. Und zugleich scheint die zunehmende Sensibilisierung in Schulen, Familien und Medien zu wirken.
Dazu sagt Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW: „Es kann nicht die Aufgabe von Kindern sein, sich allein gegen Erwachsene zu verteidigen, die sie im Netz manipulieren wollen. Unsere Aufgabe ist es, sie stark zu machen. Die Studie zeigt, dass das immer besser gelingt: Die Aufmerksamkeit für Cybergrooming steigt und Kinder wissen immer besser, wie sie reagieren können. Aber solange auch nur ein Kind online auf solche Risiken trifft, bleibt Aufklärung eine Daueraufgabe.“
Wo Kinder und Jugendliche problematische Erfahrungen machen
Die Studie zeigt, dass Risiken längst nicht mehr nur in Sozialen Netzwerken auftreten. Je nach digitalem Raum machen Kinder und Jugendliche unterschiedliche Erfahrungen: Während in Online-Games vor allem unangenehme Kontaktaufnahmen eine Rolle spielen, erleben sie in Chats und Online-Communities häufig Beleidigungen, Bloßstellungen oder andere Formen grenzüberschreitenden Verhaltens.
Mehr als jede dritte befragte Online-Gamerin bzw. jeder dritte Online-Gamer wurde bereits von einer fremden Person angesprochen und hatte dabei ein unangenehmes Gefühl (63 %). Knapp 15 Prozent berichten zudem von Geschenken oder Hilfestellungen für eine Gegenleistung.
Auch in Chat- und Community-Angeboten sind grenzüberschreitende Erfahrungen weit verbreitet. Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen hat dort bereits Beleidigungen erlebt (31 %), knapp ein Viertel Bloßstellungen (24 %). Einzelne berichten zudem von Versuchen der Einflussnahme, etwa durch Schuldzuweisungen (6 %) oder die Aufforderung, etwas geheim zu halten (5 %).
Mehr Wissen und mehr Handlungssicherheit
Neben den Risiken wächst jedoch auch das Wissen. 43 Prozent kennen den Begriff Cybergrooming – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auch der Austausch in den Familien nimmt zu: Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen hat bereits mit den Eltern über das Thema gesprochen (51 %).
Die gestiegene Sensibilisierung spiegelt sich auch im Umgang mit problematischen Kontakten wider. 70 Prozent haben den Kontakt abgebrochen oder die Person blockiert, fast die Hälfte hat sich einer Bezugsperson anvertraut (47 %).
Die Landesanstalt für Medien NRW bietet mit ihrer Cybergrooming-Meldefunktion die Möglichkeit, verdächtige Kontakte prüfen zu lassen. Ergänzend stehen auf der Website Informationen und Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte zur Verfügung. Regelmäßige Elternabende informieren zudem über Risiken und Schutzmöglichkeiten im Netz.
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