13.10.2026

Zwischen Hass und Extremismus: Mehrheit der Deutschen begegnet regelmäßig problematischen Inhalten im Netz

forsa-Befragung der Landesanstalt für Medien NRW untersucht erstmals auch die Wahrnehmung von extremistischen Inhalten

  • 79 Prozent der Deutschen sehen Hassrede im Netz. 45 Prozent begegnen ihr häufig oder sehr häufig.
  • Hass trifft immer mehr Gruppen: Besonders deutlich steigt die Wahrnehmung von Hass gegen Menschen anderer politischer Überzeugungen und anderen Glaubens.
  • 78 Prozent nehmen extremistische Inhalte wahr, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 86 Prozent.

Wer im Internet unterwegs ist, kommt an Hass leider nicht vorbei: Bereits 79 Prozent der Deutschen haben Hasskommentare im Internet wahrgenommen (2024: 78 %; 2022: 77 %). Das geht aus einer aktuellen repräsentativen forsa-Umfrage der Landesanstalt für Medien NRW hervor. 

Hass richtet sich gegen immer mehr gesellschaftliche Gruppen

Hassrede wird zunehmend gegen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen wahrgenommen. Besonders häufig wird Hass gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund (2026: 51 %; 2024: 46 %), Frauen (2026: 44 %; 2024: 38 %) sowie Personen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen (2026: 46 %; 2024: 38 %) wahrgenommen. Besonders deutlich steigt die Wahrnehmung von Hass gegenüber Menschen mit anderen politischen Einstellungen sowie gegenüber Menschen mit anderem Glauben. Beide Werte liegen jeweils zehn Prozentpunkte höher als in der vorherigen Erhebung. 

Für viele Befragte ist Hassrede damit kein Problem einzelner Gruppen mehr, sondern ein gesellschaftliches Phänomen mit großer Reichweite. Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, sagt:

„Wenn die Ergebnisse dieser Befragung eines deutlich machen, dann, dass unser demokratisches Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit ist. Die Vermutung liegt nahe, dass die zunehmende Polarisierung der politischen Diskussionen extreme Haltungen oder zumindest Äußerungen salonfähig macht. Keine Vermutung, sondern ein Faktum ist, dass die sogenannten Sozialen Medien ihrer Verantwortung trotz unzähliger Zusagen nicht gerecht werden. Soziale Medien sind zwar nicht ursächlich für das Phänomen an sich, aber sie sind der Brandbeschleuniger bei der Ausbreitung. Damit bleibt nur ein konsequentes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden und der Medienanstalten sowie ein entschlossenes Handeln der Gesetzgeber – und das gerne jetzt.“ 

Erstmals untersucht: Extremistische Inhalte erreichen breite Teile der Bevölkerung

Die forsa-Untersuchung erfasst in diesem Jahr erstmals auch die Wahrnehmung extremistischer Inhalte im Netz. Dabei gaben 78 Prozent der Befragten an, bereits auf entsprechende Inhalte gestoßen zu sein. Unter den bis 24-Jährigen liegt dieser Wert bei 86 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt aller Befragten. 

Die wahrgenommenen Inhalte werden am häufigsten dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet 
(74 %). Dahinter folgen antisemitische (45 %), linksextremistische (43 %) und islamistische Inhalte (41 %). Zwar berichten die Befragten etwas seltener von häufigen Kontakten mit extremistischen Inhalten als mit Hassrede, die Unterschiede fallen jedoch gering aus: 39 Prozent begegnen extremistischen Inhalten häufig oder sehr häufig, bei Hassrede liegt dieser Wert bei 45 Prozent.

Hassrede bleibt über die Jahre allgegenwärtig – die Intensität steigt

Die Sichtbarkeit von Hassrede bleibt seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau (2024: 78 %; 2022: 77 %). Gleichzeitig nimmt die Häufigkeit der Begegnungen weiter zu: 45 Prozent geben an, Hassrede häufig oder sehr häufig zu sehen. 2022 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent. Auch die persönliche Betroffenheit ist weiterhin hoch: Fast jede vierte befragte Person (24 %) war bereits selbst Ziel von Hassrede. Bei den unter 25-Jährigen betrifft dies sogar mehr als jede dritte Person (38 %).

Elternabend am 14. Oktober: „Online radikal – Zwischen Meinung und Feindbild“

Umso wichtiger ist es, junge Menschen dabei zu begleiten, Risiken frühzeitig zu erkennen und einzuordnen. Beim Online-Elternabend „Online radikal – Zwischen Meinung und Feindbild“ am 14. Oktober erfahren Eltern, wie Radikalisierung im Netz entstehen kann, welche Warnsignale es gibt und wie sie mit ihren Kindern darüber im Gespräch bleiben können. Hier geht’s zur Anmeldung: https://www.medienanstalt-nrw.de/elternabende