05.11.2026

SEXUELLE DEEPFAKES: FÜR 90 PROZENT GENAUSO SCHLIMM WIE ECHTE NACKTBILDER

Landesanstalt für Medien NRW untersucht erstmals, wie Kinder und Jugendliche sexuelle Deepfakes erleben und bewerten

  • 68 Prozent der 11- bis 17-Jährigen haben Angst, dass von ihnen ein KI-generiertes Nacktbild oder -video erstellt werden könnte.
  • 90 Prozent würden einen sexuellen Deepfake von sich als genauso schlimm empfinden wie ein echtes Nacktbild.
  • Jede achte befragte Person hat bereits einen sexuellen Deepfake gesehen – auch KI-Apps und Klassenchats spielen dabei eine Rolle.

Ob echt oder KI-generiert: Für Kinder und Jugendliche macht es kaum einen Unterschied, wenn es um intime Darstellungen der eigenen Person geht. 90 Prozent würden einen sexuellen Deepfake von sich als genauso schlimm empfinden wie ein echtes Nacktbild. Das zeigt eine erstmals durchgeführte Studie der Landesanstalt für Medien NRW, für die mehr als 2.000 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren in Deutschland befragt wurden.

Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 %) fürchten, dass von ihnen ein KI-generiertes Nacktbild oder -video erstellt werden könnte. Besonders groß ist die Sorge bei Mädchen (75 %) und den Elf- bis 13-Jährigen (72 %).

„Die Bilder sind fake, die Bloßstellung ist real. Deshalb brauchen wir rechtlichen Schutz und frühzeitige Prävention. Dass die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf zum Schutz vor digitaler Gewalt auch gegen sexuelle Deepfakes vorgehen will, ist ein wichtiger Schritt“ sagt Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.

Sexuelle Deepfakes erreichen Kinder auch über KI-Apps und Klassenchats

Jede achte befragte Person gibt an, bereits einen sexuellen Deepfake gesehen zu haben. Am häufigsten geschieht dies über Social Media (45 %), gefolgt von öffentlichen Gruppen und Kanälen (19 %). Bei den Elf- bis 13-Jährigen, die bereits sexuelle Deepfakes gesehen haben, spielen neben KI-Plattformen oder -Apps (26 %) auch Gruppenchats (22 %) und Klassenchats (17 %) eine wichtige Rolle.

Sexuelle Deepfakes erreichen Kinder damit in ihrem direkten digitalen Umfeld. Wie sie mit solchen Grenzverletzungen umgehen, hängt auch von ihren Einstellungen gegenüber Betroffenen ab.

Neue Technik, alte Denkmuster

Die gute Nachricht: Eine große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen (91 %) nimmt Belästigungen von Mädchen und Frauen im Netz genauso ernst wie im realen Leben. Gleichzeitig zeigen sich auch problematische Einstellungen: 27 Prozent stimmen der Aussage zu, Mädchen trügen eine Mitschuld an Online-Belästigungen, wenn sie sich freizügig zeigen. 30 Prozent glauben, manche Belästigungsvorwürfe würden nur erhoben, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Jungen stimmen solchen Aussagen etwas häufiger zu als Mädchen. Auch die Aussage, dass Gewaltdarstellungen gegen Mädchen in Memes und Stickern lustig sein können, finden bei Jungen häufiger Zustimmung als bei Mädchen.

Hilfe für Betroffene und Unterstützung für Eltern und Schulen

Wer selbst von einem sexuellen Deepfake betroffen ist oder einen solchen Inhalt erhält, kann sich über das Angebot „Frage? Wir antworten!“ direkt an die Landesanstalt für Medien NRW wenden. Fragen werden dort persönlich, vertraulich und kostenfrei beantwortet.

Für Eltern und Schulen bietet die Landesanstalt für Medien NRW dafür unter anderem Elternabende und das Programm Medienscouts NRW sowie den Podcast „Likes & Nebenwirkungen“ mit Collien Monica Fernandes an.