22.01.2018

Studie D21-Digital-Index 2017 / 2018

Die deutsche Gesellschaft wird digitaler

Lagebild der Digitalen Gesellschaft in Deutschland: Digitalisierungsgrad steigt / Digitale Spaltung bleibt bestehen / Skepsis gegenüber intelligenten Geräten / Möglichkeiten des modernen Arbeitens nicht ausgeschöpft / Mobile Endgeräte befördern Internetnutzung der Generation 50+

Düsseldorf, 23. Januar 2018. Die Initiative D21 e. V. stellte heute gemeinsam mit Staatssekretär Matthias Machnig die Ergebnisse des D21-Digital-Index 2017 / 2018 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vor. Die Studie, die u.a. von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) unterstützt wird, wird von Kantar TNS durchgeführt und liefert seit 2013 jährlich ein umfassendes Lagebild zur Digitalen Gesellschaft in Deutschland.

Kompetenz und Offenheit zur Digitalisierung steigen, doch viele fühlen sich überfordert
Die deutsche Gesellschaft ist mit 53 Indexpunkten so digital wie nie zuvor. Der D21-Digital-Index gibt den Digitalisierungsgrad der Gesellschaft auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten wieder und fasst die Komponenten Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit in einer einzigen Kennzahl zusammen. Erstmals seit 2013 steigt der Indexwert um 2 Punkte im Vergleich zum Vorjahr an. Verantwortlich dafür sind Steigerungen in den Bereichen Kompetenz und Offenheit. Trotz Verbesserungen befindet sich der Digitalisierungsgrad der Deutschen weiterhin nur auf mittlerem Niveau.

„Wir beobachten zwar eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen bewegen sich souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21: „Doch nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet. 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere. Um nicht große Teile der Bevölkerung dauerhaft von der digitalen Teilhabe auszuschließen sind deutlichere Anstrengungen in allen Bereichen der Bildung notwendig, sei es in der Schule, Berufsausbildung oder auch der Erwachsenenbildung.“

Bildung und Alter entscheidend für Digitalkompetenzen – Spaltung entlang verschiedener Merkmale
Der D21-Digital-Index zeigt eine Teilung der Bevölkerung in drei Hauptgruppen (die sich wiederum in sieben Nutzertypen unterteilen lassen): 34 Prozent sind den Digitalen Vorreitern zuzuordnen, Menschen die sich alltäglich und souverän in der digitalen Welt bewegen und mit den aktuellsten Entwicklungen Schritt halten. Den größten Teil machen mit 41 Prozent die Digital Mithaltenden aus, also Personen, die sich gelegentlich in der digitalen Welt bewegen und dort einigermaßen zurechtfinden. Das bedeutet aber auch, dass ein ganzes Viertel der Bevölkerung – und damit 16 Millionen Menschen – zu den Digital Abseitsstehenden gehört. Diese partizipieren gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang an der digitalen Welt.

Die einzelnen Komponenten des D21-Digital-Index (Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit) sind bei den Befragten unterschiedlich verteilt, die deutsche Gesellschaft ist bzgl. ihrer digitalen Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht gespalten.

In der Tendenz lassen sich dabei folgende generalisierte Aussagen treffen: Je jünger, desto digitaler sind die Menschen. Gerade die über 65-Jährigen stehen im digitalen Abseits.

Menschen mit hoher formaler Bildung haben einen signifikant höheren Digitalisierungsgrad als Menschen mit niedriger Bildung. Männer sind digitaler als Frauen und Berufstätige mehr als nicht Berufstätige. „Digitalisierung wird Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft grundlegend ändern. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen kompetent und souverän an der Digitalisierung teilhaben können – auch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, so Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, mit Blick auf die Ergebnisse des D21-Digital-Index.

LfM-Direktor Tobias Schmid sagte: „Die Digitalisierung führt in hohem Tempo zu tiefgreifenden Veränderungen in allen Lebensbereichen – das gilt für Branchen, Institutionen und für jeden Einzelnen. Dies zeigen auch empirische Erkenntnisse, wie die des Digital-Index, sehr eindrücklich. Digitale Kompetenzen sind der Schlüssel, um sich selbstbestimmt die Möglichkeiten digitaler Medien und Techniken zu erschließen und zugleich deren Risiken einordnen zu können. Unser Ziel muss es sein, der Bevölkerung den Zugang zu diesen Fähigkeiten zu ermöglichen. Wenn das nicht gelingt, droht eine weitere digitale Spaltung der Gesellschaft.“

Vier von fünf Deutschen sind online
Erstmals nutzen über 80 Prozent der Deutschen das Internet. Treibender Faktor ist die fortschreitende Verbreitung des mobilen Internets über Smartphones. Nachdem die jüngeren Generationen bereits seit Längerem nahezu vollständig online sind, gibt es bei den 50 bis 64-Jährigen sowie den über 65-Jährigen Zuwächse von jeweils fünf Prozentpunkten bei der Internetnutzung bzw. 10 und 3 Prozentpunkten mobil. Hier besteht auch das größte Steigerungspotenzial: 94 Prozent der verbliebenen 19 Prozent Offliner in der deutschen Bevölkerung sind 50 Jahre oder älter.
Die Studie enthält zusätzlich Ergebnisse zur Skepsis der Deutschen mit Blick auf intelligente Geräte und zur künftigen digitalen Arbeitswelt (Link zur Studie).

Über die Studie: Der D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar TNS. Sie erfasst die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Mittels persönlich-mündlicher Befragung, sog. „face-to-face“-Erhebung (CAPI = computergestütztes persönliches Interview) wurden 20.424 Interviews in Deutschland durchgeführt.

Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie durch Sponsoring. Premiumpartner: Allianz Deutschland AG, Fujitsu Technology Solutions GmbH, Google Germany GmbH, Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), PwC Strategy& (Germany) GmbH. Partner: CHG-MERIDIAN AG, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Deutsche Telekom AG, Ericsson GmbH. Unterstützer: Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V., Capgemini Deutschland, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V., Ricoh Deutschland GmbH


Pressekontakt
Initiative D21 e. V.
Roland Dathe
030 / 526 87 22 55
roland.dathe@initiatived21.de
www.initiatived21.de

Über die Initiative D21 e. V.
Die Initiative D21 ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der 1999 mit dem Ziel gegründet wurde, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Mehr unter www.initiatived21.de

Weitere Informationen
Studienwebsite mit Download der Studie (freie Lizenz):
http://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2017/
Studien-Grafiken (freie Lizenz):
https://www.flickr.com/photos/initiatived21/albums/

Über Medienkompetenzprojekte der LfM:
Die nordrhein-westfälische Medienanstalt hat den gesetzlichen Auftrag, u.a. Medienkompetenz zu fördern. Die LfM initiiert, fördert und begleitet verschiedene Projekte und Maßnahmen (z.B. Medienscouts, Initiative „Eltern und Medien“ u.v.m.).
Weitere Informationen: http://www.lfm-nrw.de/foerderung/medienkompetenz.html