Interaktives Empowerment

Digitaler Journalismus hört nicht mit dem Drücken des Publish-Buttons auf. Wie wir Redaktionen dabei unterstützen, Respekt zurück in die Online-Diskussionen zu bringen.

Über 30 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer lesen regelmäßig Kommentare auf den Websites oder Social-Media-Seiten von Medienhäusern. Das Problem: Viele Medienhäuser sind mit eskalierenden Diskussionen unter ihren Texten so überfordert, dass sie die Kommentarfunktion abschalten. Im Rahmen des Forschungsprojekts Hallo liebe Community! haben wir zusammen mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf einen Moderationsleitfaden entwickelt, der interaktives Empowerment fördert – mit Schulungen in den Redaktionen und in der journalistischen Ausbildung. 

Wie geht Empowerment-Moderation?

Wir wollen gegen Hasskommentare vorgehen – und einen interaktiven Moderationsstil fördern, der mehr Raum gibt für konstruktiven Austausch und sachliche Debatten. Nach Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf das KASI-Prinzip entwickelt. Im Zentrum stehen dabei drei konkrete Moderationsstile:

Der kognitive Stil

„Wo kann man Ihrer Meinung nach ansetzen?"

Der kognitive Stil vermittelt Wissen – und fördert kritisches Nachdenken. Die Moderierenden liefern Zusatzinformationen schon in Eröffnungskommentaren mit Links zu weiterführenden Beiträgen. Sie geben Antworten, stellen aber auch selbst Fragen an die Community oder Beitragende („Wo kann man Ihrer Meinung nach ansetzen?“, „Was würden Sie anderen Betroffenen raten?“). Sie können Standpunkte der Diskussion zusammenfassen und fehlende Argumente ergänzen („Kritiker sagen, dass …“). Auch Hinweise auf Diskussionsregeln gehören zum kognitiven Stil.

 

Der affektive Stil 

„Das war bestimmt nicht einfach für Sie."

Der affektive Stil bietet Unterhaltung, erkennt Gefühle an und steigert das Selbstwertgefühl („Das können wir gut verstehen.“, „Das war bestimmt nicht einfach für Sie.“). Noch mehr als bei anderen Stilen sollten Moderationskommentare möglichst positiv formuliert sein („Bleibt bitte respektvoll!“). Bei diesem Stil können auch Humor, GIFs oder Emoticons eingesetzt werden. So können auch Menschen zu einem Kommentar aktiviert werden, die sich sonst nicht trauen würden.

 

Der sozial-integrative Stil

„Das geht hier offenbar vielen so.“

Der sozial-integrative Stil fördert den respektvollen Austausch und will das Wir-Gefühl der Community stärken. Moderierende können zum Beispiel andere Nutzerinnen und Nutzer, die sich ähnlich äußern, gezielt markieren und so ins Gespräch bringen („Das geht hier offenbar vielen so.“). Sie können, statt anonym zu bleiben, auch unter den eigenen Vornamen auftreten, um zu zeigen, dass sie auf Augenhöhe kommunizieren („Heute ist Anna aus Düsseldorf für euch da.“).

Für ein respektvolles Miteinander

Das umfangreiche Konzept und das Feldexperiment um die Moderationsstile haben wir online vorgestellt.